„PODIGIKOM“ "Pornografie-Kompetenz im Alltag der sozialen Arbeit"

Pornografie ist heute Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt. Die Forschung zeigt, dass Jugendliche trotz bestehender rechtlicher Regelung problemlos auch an illegale pornografische Inhalte gelangen und fast die Hälfte aller befragten Heranwachsenden diese auch regelmäßig konsumieren (Altstötter 2006; eNASCO, 2015). Zudem ist der Anteil ungewollter Kontakte mit Pornografie steigend (Grimm 2010: 15). Tippen Kinder z.B. das harmlose Wort "eklig" bei Google ein, so werden pornografische Inhalte gezeigt. Größer angelegte europaweite Studien und Metaanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass die Konfrontation mit Internetpornographie europaweit zu den wichtigsten Online-Risiken zählt (Hasebrink et al. 2009). Kein Zweifel also, die vielfältigen Möglichkeiten von und der leichte Zugang zu pornografischen Inhalten bergen Risiken und verunsichern Heranwachsende in ihrer sexuellen Sozialisierung. Europa hat deshalb auch bereits reagiert und Schutzfilter sowie Klassifizierungstools für nutzergenerierte Inhalte bereitgestellt, wie das Projekt „You rate it“ zeigt. Da Filter aber (1) immer leichter umgangen werden können, (2) nicht überall greifen und (3) allein nicht hinreichend (wenn auch notwendig) sind, um diesem Problembereich der Internetnutzung adäquat zu begegnen, ist eine Zusammenarbeit von nicht - staatlichen Akteuren an dieser Stelle von großer Bedeutung. Aufgrund der sich europaweit ähnelnden Problemlage, gleichzeitig aber sich unterscheidenden Erfahrungen und Forschungsbemühungen, brauchen wir hier ein transnationales Lernen durch fachlichen Austausch, um professionelle Handlungsfähigkeit herstellen zu können. Die Berufsgruppe der Sozialen Arbeit ist daher die Zielgruppe dieses Projektes, denn sie befasst sich in den Feldern der offenen Jugendarbeit und Prävention mit diesen aktuellen Fragen und Problemlagen und kann diese Lücke professionell füllen. Gleichzeitig herrscht hier enormer Fort- und Weiterbildungsbedarf sowohl hinsichtlich aktueller Entwicklungen und rechtlicher Regelungen von Pornographie in Europa als auch hinsichtlich des jeweiligen individuellen professionellen Selbstverständnisses der Youthworker. Unter Einbeziehung von Politik und Kommune stellen wir uns in einem Konsortium aus AT, BE, BG, RO, EL und DE dieser nachhaltigen Bildungsaufgabe mit einer Doppelstrategie: die einerseits auf die Vermittlung instrumentell-qualifikatorischer Fähigkeiten aufbaut persönl. sowie institutionell, und anderseits vor allem die aktiv-reflektierte Auseinandersetzung bedient. Beides miteinander zu verbinden und in den Kontext der sozialen Arbeit zu integrieren, ist erklärtes Ziel.